Überblick über die Geschichte der Firma Welte & Söhne
M. Welte & Söhne war ein bekannter und bedeutender Hersteller von
selbstspielenden mechanischen Musikinstrumenten. Die Firma wurde 1832 von Michael
Welte (1807 Vöhrenbach - 1880 Freiburg im Breisgau) in Vöhrenbach
im Schwarzwald gegründet. Sie produzierte von 1832 bis 1932 hochwertige
mechanische selbstspielende Musikinstrumente. Von 1832 bis ungefähr 1845
firmierte sie unter dem Namen Gebrüder Welte, danach unter Michael Welte,
seit 1865 als M. Welte & Söhne. Michael Welte baute zuerst Spieluhren,
die immer größer und perfekter wurden. Bald hatte er ein großes
Renommé errungen, da seine Spielwerke von höchster musikalischer
Qualität waren. Er exportierte einen Großteil seiner Spielwerke nach
Russland, aber auch nach Frankreich, England und die USA.
1846 bekam er den Auftrag, ein Instrument für einen Herrn Stratz aus
Odessa zu bauen. Dieses erste Orchestrion von Welte sollte alle Orchesterstimmen
wiedergeben und enthielt ca. 1100 Pfeifen. Nach dreijähriger Arbeit wurde
vor es der Ablieferung einem staunenden Publikum vorgeführt, so im Gartensaal
der Museumsgesellschaft Karlsruhe vom 23. und 24. März 1849 und in Frankfurt,
wo zu dieser Zeit in der Paulskirche die Deutsche Nationalversammlung tagte,
die das Instrument besichtigte. 1856 begann er mit der Fertigung eines Instrumentes
für den späteren Großherzog Friedrich von Baden, dessen Bau
33 Monate dauerte. Der Großherzog sandte das für ihn gefertigte Instrument
1862 auf die Weltausstellung, die "London International Exhibition on Industry
and Art", wo es ständig vorgeführt wurde. Welte errang mit diesem
Orchestrion eine Preismedaille.
1865 traten die drei Söhne von Michael Welte in die Firma ein. Der älteste
Sohn Emil Welte (1841 Vöhrenbach - 1923 Norwichtown, Connecticut, USA)
ging 1865/1866 nach New York, wo er die Firma "M. Welte & Sons"
als Niederlassung gründete. Berthold Welte (1843 Vöhrenbach - 1918
Freiburg i. Br.) übernahm die Leitung der Firma, sein Bruder Michael Welte
jr. (1846 Vöhrenbach - 1920 Freiburg i. Br.) war als Techniker tätig.1872
zog die Firma aus dem abgelegenen Vöhrenbach nach Freiburg im Breisgau
in das neu erschlossene Gewerbegebiet beim Hauptbahnhof im Stadtteil Stühlinger.
Bahnbrechend war die Entwicklung der Steuerung dieser Instrumente durch Lochstreifen
aus Papier, welche die bisher dafür benutzen, sehr empfindlichen Stiftwalzen
ersetzten. 1883 ließ sich Emil Welte dieses Verfahren patentieren. Welte
war damit endgültig Marktführer geworden. Bald spielten auf Rollschuhbahnen
und Eislaufflächen in den USA die berühmten Instrumente von Welte
ihre fantastischen Musikarrangements ebenso wie in europäischen Königshäusern
oder im Sultanspalast von Sumatra.

Ansicht der Fabrikanlage von M. Welte & Söhne in Freiburg um 1909
1900 erfolgte der Eintritt von Edwin Welte (1876 Freiburg - 1958 Freiburg),
dem Sohn Berthold Weltes und seines Schwagers Karl Bockisch (1874 Sternberg/Mähren
(jetzt ternberk (CSR) - 1952 Freiburg) in die Firma. Diese war durch ihre
Entwicklungen auf dem Gebiet der automatischen Musikwiedergabe mit Programmträgern
bereits berühmt, als sie sich 1904 das Wiedergabeverfahren für das
von ihnen entwickelte Reproduktionsklavier patentieren ließen. 1905 kam
dieses unter dem Namen Mignon, wenig später als "Welte-Mignon-Reproduktionsklavier
auf den Markt. Dieses Instrument benutzte als Tonträger wiederum Lochstreifen
aus Papier, die sogenannte "Klavierrolle" und war eine Gemeinschaftsentwicklung
von Edwin Welte und Karl Bockisch.Damit war es möglich, das einmal eingespielte
Spiel eines Pianisten weitestgehend originalgetreu wiederzugeben. Dieses technische
Wunderwerk war damals eine Sensation und erlaubt uns heute noch mit den wenigen
gut erhaltenen Instrumenten eine authentische Wiedergabe dieser Aufnahmen. Ab
1912 gab es ein gleichartiges System für Orgeln, genannt "Welte-Philharmonie-Orgel".
1912 folgte in den USA die Gründung einer Aktiengesellschaft, der "M.
Welte & Sons., Inc." in New York und der Aufbau einer Fabrikanlage
in Poughkeepsie, N.Y.

Ansicht des Werkes in Poughkeepsie, N.Y. um 1913
Der Verlust der amerikanischen Niederlassung im 1. Weltkrieg traf die Firma
schwer. Durch die Einführung neuer Technologien wie Rundfunk und elektrische
Schallplattenspieler um 1926 kam das Geschäft mit den aufwändigen
Instrumenten nahezu zum Erliegen, weltweit brach die gesamte Branche zusammen.
Dem Versuch, sich mit dem Bau von Kinoorgeln und Funkorgeln wieder zu wirtschaftlichem
Erfolg zu verhelfen, kam die Einführung des Tonfilms dazwischen. Bereits
bestellte Kinoorgeln wurden storniert. Die Inflation in Deutschland und die
Weltwirtschaftskrise taten ein Übriges. 1932 konnte sich die Firma gerade
noch vor dem Konkurs retten und beschränkte sich unter alleiniger Leitung
von Karl Bockisch künftig auf den Bau von Kirchen- und Spezialorgeln.
Das letzte Produkt, das aus dem nun rund 100 Jahre erfinderisch tätigen
Welte-Clan kam, war die Lichttonorgel, eine mit Photozellen gesteuerte elektronische
Orgel, von der 1936 ein Prototyp in einem Konzert in der Berliner Philharmonie
vorgeführt wurde. Dieses Orgel benutzte als erstes elektronisches Instrument
überhaupt gesampelte Klänge für die Wiedergabe der Töne.Die
weitere Produktion in Kooperation mit der Firma Telefunken wurde von der nationalsozialistischen
Regierung blockiert, weil deren Entwickler Edwin Welte mit einer Jüdin
verheiratet war.Der Firmenkomplex selbst wurde 1944 durch Bomben komplett zerstört.
Damit schien mit den Aufnahmegeräten auch das von der Firma geheimgehaltene
Aufnahmeverfahren für die Reproduktionsklaviere verloren. Erst in den letzten
Jahren konnte es durch aufgefundene Bauteile und Dokumente sowie einen in den
USA wiederaufgefunden Aufnahmeapparat für die Welte-Philharmonie-Orgel
ansatzweise rekonstruiert werden. Im Augustinermuseum Freiburg befindet sich
der Nachlass der Firma, soweit er den 2. Weltkrieg überdauert hat.